Zertifizierung

Feuerschutzklassen für Tresore: Definierter Brandschutz

LFS 30 P, S 60 DIS oder S 120 P: welche Feuerschutzklasse Ihre Dokumente wirklich schuetzt, wie in der Brandkammer bei 1.090 Grad geprueft wird und warum ein einbruchsicherer Tresor nicht automatisch feuerfest ist.

Zuletzt geprüft am 10. August 2026 3 Minuten Lesezeit von Tim Herberger, Fachredaktion bei Bremer Tresor

Feuerschutzklassen definieren, wie lange ein Tresor seinen Inhalt vor Hitze schützt. Der wichtigste Satz dazu vorweg: nicht jeder einbruchsichere Tresor ist auch feuerfest. Beides sind getrennte Prüfungen mit getrennten Zertifikaten.

Trotz des Verbundmaterials aus Stahl und Beton können durch die hohe Wärmeleitung des Metalls im Brandfall extreme Temperaturen im Innenraum entstehen. Ein Tresor ohne zertifizierte Feuerschutzklasse entwickelt innen über 700 Grad Celsius und zerstört seinen Inhalt damit vollständig. Papier und Dokumente zerfallen bei diesen Temperaturen bereits ohne direkte Feuereinwirkung.

Woran Sie echten Feuerschutz erkennenNur die Prüfplakette auf der Türinnenseite zählt. Sie nennt die geprüfte Feuerschutzklasse. Fehlt sie, gilt der Tresor als nicht feuergeprüft, unabhängig davon wie massiv er gebaut ist. Begriffe wie feuerfest, feuersicher oder feuerhemmend sind nicht geschützt und sagen ohne Norm nichts aus.
In 2 Fragen zur Klasse

Welche Feuerschutzklasse brauche ich?

Sie müssen die Normbezeichnungen dafür nicht kennen. Entscheidend sind nur zwei Dinge: was geschützt werden soll und wie schwer der Verlust wäre.

Übersicht

Alle Feuerschutzklassen im Vergleich

Zwei Normen sind relevant: EN 1047-1 für die vollwertige Prüfung inklusive Sturztest und EN 15659 für leichte Feuerschutzschränke. Der Buchstabe am Ende sagt, wofür geprüft wurde: P steht für Papier, DIS für Datenträger.

Schutzdauer Zertifizierung Max. Temperaturanstieg innen Geeignet für Tresore
Feuerhemmend keine Prüfnorm nicht definiert Vermeidet direkten Feuerkontakt. Hohe Innentemperaturen können entstehen. Tresore ansehen
30 Minuten LFS 30 P nach EN 15659 150 °C Papier Tresore ansehen
60 Minuten LFS 60 P nach EN 15659 150 °C Papier Tresore ansehen
60 Minuten S 60 P nach EN 1047-1 150 °C Papier, Prüfung inklusive Sturztest Tresore ansehen
60 Minuten S 60 DIS nach EN 1047-1 30 °C Datenträger wie Festplatten und CDs, Prüfung inklusive Sturztest Tresore ansehen
120 Minuten S 120 P nach EN 1047-1 150 °C Papier, Prüfung inklusive Sturztest Tresore ansehen
120 Minuten S 120 DIS nach EN 1047-1 30 °C Datenträger wie Festplatten und CDs, Prüfung inklusive Sturztest Tresore ansehen
Datenträger brauchen eine eigene KlasseDer Unterschied zwischen 150 und 30 Grad ist der wichtigste in dieser Tabelle. Es handelt sich dabei um den zulässigen Anstieg der Innentemperatur gegenüber dem Startwert, nicht um eine garantierte Obergrenze im echten Brand. Papier verträgt Hitze, eine Festplatte nicht. Wer Datenträger einlagert, braucht eine DIS-Zertifizierung. Eine P-Klasse reicht dafür nicht aus, auch wenn sie länger geprüft ist.

Unsere zertifizierten Modelle finden Sie unter feuerfeste Tresore.

Prüfverfahren

Feuerschutz nach EN 1047-1: die Brandkammer

Diese Norm prüft den Schutz vor Feuer, Löschwasser und den entstehenden giftigen Brandgasen. Der Tresor wird je nach angestrebter Klasse 60 oder 120 Minuten dem Feuer ausgesetzt.

Im Brandraum wird auf 1.090 Grad Celsius erhitzt. Im Inneren des Tresors sitzen Temperatursensoren. Ausgehend von 20 Grad Ausgangstemperatur darf der Innenraum um höchstens 150 Grad steigen, bei Datenträgern um höchstens 30 Grad. Gemessen wird nicht nur während des Brennvorgangs, sondern kontinuierlich bis zu 24 Stunden danach. Das ist entscheidend, denn die im Material gespeicherte Hitze wirkt lange nach dem Feuer weiter.

Tresor in der Brandkammer waehrend der Feuerschutzpruefung, gluehende Ofenoeffnung
Der Tresor in der Brandkammer bei 1.090 Grad
Bergung des Tresors aus der Brandkammer nach Ablauf der Pruefzeit
Bergung nach Ablauf der Prüfzeit
Tresor nach dem Brandtest mit sichtbaren Spuren der Hitzeeinwirkung
Der Tresor nach dem Brandtest
Dokumentation der Feuerschutzzertifizierung nach bestandener Pruefung
Dokumentation der Zertifizierung
Prüfverfahren

Der Sturztest aus 9,15 Metern

Feuerschutz allein genügt nicht. Ein Tresor muss im Brandfall auch stabil bleiben, wenn das Gebäude um ihn herum nachgibt. Deshalb prüft die EN 1047-1 zusätzlich die mechanische Stabilität nach der Hitzebelastung.

Direkt nach dem genormten Aufenthalt im Brennraum wird der Tresor aus 9,15 Metern Höhe auf ein Kiesbett fallen gelassen. Das simuliert den Einsturz eines Hauses, bei dem der Tresor aus der dritten Etage hinabstürzt.

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Bestanden heißt: er schützt danach immer nochDer Sturztest gilt nur dann als bestanden, wenn der Tresor nach dem Aufprall seine feuerfesten Eigenschaften weiterhin aufweist. Ein Gehäuse, das den Fall zwar übersteht, aber danach Hitze durchlässt, fällt durch.
Vorbereitung des Sturztests direkt nach der Brandkammer
Vorbereitung direkt nach der Brandkammer
Tresor am Sturzgeruest in 9,15 Metern Hoehe vor dem Fall
Der Tresor in 9,15 Metern Höhe
Sturzgeruest der Pruefanlage waehrend des Falltests
Das Sturzgerüst der Prüfanlage
Tresor nach dem Aufprall auf das Kiesbett
Nach dem Aufprall auf das Kiesbett
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Tim Herberger
Tim Herberger
Fachredaktion bei Bremer Tresor

Tim Herberger schreibt die Ratgeber von Bremer Tresor. Er bereitet Normen, Vorschriften und Praxiswissen so auf, dass daraus eine klare Kaufentscheidung wird, und gleicht jeden Text mit unseren Fachleuten aus Beratung und Service ab.

Häufige Fragen

Ist ein einbruchsicherer Tresor automatisch feuerfest?
Nein. Einbruchschutz und Feuerschutz sind zwei getrennte Prüfungen mit eigenen Zertifikaten. Ein Tresor mit Widerstandsgrad 2 kann ohne jeden Feuerschutz sein. Umgekehrt gilt dasselbe. Nur eine Prüfplakette mit einer Feuerschutzklasse belegt geprüften Brandschutz.
Was bedeutet das P oder DIS am Ende der Klasse?
P steht für Papier, DIS für Datenträger. Der Unterschied liegt im zulässigen Anstieg der Innentemperatur: bei P höchstens 150 Grad, bei DIS höchstens 30 Grad. Ausgehend von 20 Grad Ausgangstemperatur entspricht das höchstens 170 Grad beziehungsweise 50 Grad im Innenraum. Wer Festplatten, Backups oder CDs einlagert, braucht zwingend eine DIS-Klasse. Eine P-Klasse schützt Datenträger nicht, auch nicht bei längerer Prüfdauer.
Worin unterscheiden sich EN 1047-1 und EN 15659?
Die EN 1047-1 prüft bei 1.090 Grad und schließt den Sturztest aus 9,15 Metern ein. Die EN 15659 prüft leichte Feuerschutzschränke bei 840 Grad (30 Minuten) beziehungsweise 940 Grad (60 Minuten) und verzichtet auf den Sturztest. EN 1047-1 ist damit die deutlich härtere Prüfung.
Was passiert in einem Tresor ohne Feuerschutzklasse?
Durch die Wärmeleitung von Stahl und Beton können im Innenraum über 700 Grad entstehen. Papier und Dokumente zerfallen bei diesen Temperaturen bereits ohne direkten Feuerkontakt. Der Inhalt ist dann vollständig zerstört.
Reicht der Feuerschutz auch nach dem Brand noch?
Die Prüfung misst genau das. Die Temperatur im Innenraum wird kontinuierlich bis zu 24 Stunden nach dem Brennvorgang dokumentiert, weil die im Material gespeicherte Hitze lange nachwirkt. Ein Tresor besteht nur, wenn die Grenzwerte auch in dieser Nachlaufphase gehalten werden.